Das Mandai Rainforest Resort in Singapur verbindet Landschaft, Gebäudestruktur und Material zu einem ganzheitlichen architektonischen Erlebnis. Die strukturierte Betonfassade spielt dabei eine zentrale Rolle: Sie übersetzt Spuren des Ortes in eine Oberfläche, die zwischen Resortarchitektur, Treehouses und Regenwald vermittelt.
Das Resort liegt innerhalb der Mandai Wildlife Reserve. Statt als einzelnes Objekt in der Landschaft zu stehen, entwickelt sich das Projekt aus Wegen, Vegetation, Ausblicken und Übergängen. Aufgeständerte Baukörper, begrünte Balkone und Baumhäuser schaffen direkte Bezüge zur Landschaft und machen die Umgebung unmittelbar erlebbar. Das Projekt wurde 2025 mit dem SIA Design Award ausgezeichnet.
Die Wegeführung ist Teil des architektonischen Konzepts. Gäste bewegen sich durch eine Abfolge von Übergängen: Vegetation, offene Wege, überdeckte Bereiche, Treppen, Brücken, Lobby und Ausblick. Auch im Innenraum bleibt der Regenwald präsent – durch Blickbeziehungen, Pflanzen, natürliche Materialien und fließende Übergänge zwischen Innen und Außen.
Der entscheidende Fassadenmoment liegt im Maßstabssprung des Projekts. Die Treehouses wirken unmittelbar organisch: erhöht, rund, eingebettet, nah an der Baumkrone. Die größeren Resortgebäude müssen denselben Bezug zum Regenwald in einem anderen Maßstab herstellen.
Hier übernimmt die Fassade eine vermittelnde Rolle. Die strukturierten Betonflächen geben den größeren Baukörpern eine organische Tiefe. Sie brechen die Masse der Hotelvolumen, greifen die vertikale Logik von Stämmen, Rinden und Lianen auf und verbinden sich mit Pflanztrögen, Rankpflanzen, schwarzen Metallgittern und offenen Balkonen zu einer geschichteten Gebäudehülle.
Die Fassade ist kein dekoratives Naturmotiv. Sie ist das Bindeglied zwischen Resortmaßstab und Regenwaldatmosphäre.
Für die Fassadenstruktur wurde auf den Ort selbst zurückgegriffen. Bäume, die im Zuge der Entwicklung nicht erhalten werden konnten, wurden teilweise geborgen. Rinde, Lianen und organische Strukturen bildeten den Ausgangspunkt für die spätere Betonoberfläche.
RECKLI übersetzte diese Materialspuren in ein baubares Fassadensystem. Die organischen Elemente wurden zu einer Mutterform arrangiert. Aus dieser entstanden elastische Strukturmatrizen, mit denen das Relief in Beton übertragen werden konnte.
So wurde aus einer einmaligen Spur des Ortes eine wiederholbare, präzise und architektonisch wirksame Oberfläche: aus der Nähe roh und detailreich, aus der Distanz eine ruhige, vertikale Betonfassade.
Baumteile, Rinde und Lianen wurden aus dem Projektkontext gesichert. Ihre Brüche, Fasern und organischen Unregelmäßigkeiten wurden Ausgangspunkt der späteren Fassadenstruktur.
Die geborgenen Elemente wurden gesichtet, zugeschnitten und trocken ausgelegt. Vertikale Rindenstücke, verschiedene Tiefen und echte Lianen wurden zu einer kontrollierten Fassadenstruktur arrangiert.
Die Mutterform wurde fixiert und versiegelt. So blieb die raue Textur des Materials erhalten, während die Oberfläche technisch für den Abformprozess vorbereitet wurde.
Auf die vorbereitete Mutterform wurde flüssiges RECKLI Polyurethan-Elastomer gegossen. Nach dem Aushärten konnte die elastische Strukturmatrize entformt werden. Sie macht die einmalige Materialspur wiederholbar.
Im Beton wird die Transformation sichtbar. Das Mock-up zeigt, wie Rinde, Fasern und Lianen als Relief wirken: aus der Nähe roh und detailreich, aus der Distanz als ruhige, vertikale Fassadenfläche.
We are excited to be part of a project that aims to be an exemplary showcase of sustainable development practices.
Mandai verfolgt Nachhaltigkeit nicht nur über technische Systeme, sondern über die räumliche Organisation des Projekts. Gebäude wurden in Bezug auf Vegetation, Baumlinien und Topografie gesetzt; wo möglich sind sie aufgeständert, um Durchlässigkeit auf Geländeniveau zu schaffen. Natürliche Belüftung, Mixed-Mode-Kühlung, Solaranlagen und passive Verdrängungslüftung in den Baumhäusern ergänzen diese architektonische Strategie. Ergänzend führt eine interpretative Beschilderung durch das gesamte Resort und vermittelt ökologische und kulturelle Zusammenhänge – jeder Weg wird so zu einem Lernpfad, an dem Architektur, Landschaft und Storytelling zusammenkommen.
Mehr als die Hälfte der Bäume auf dem Areal sollte erhalten bleiben; ergänzt durch Wiederanpflanzung mit einheimischen Baumarten. Nicht erhaltbare Bäume wurden nicht entsorgt, sondern als Materialspur in die RECKLI-Fassade upgecycelt.
Natürliche Belüftung, Mixed-Mode-Klimatisierung und passive Verdrängungslüftung reduzieren die Abhängigkeit von technischen Systemen.
Energie-Monitoring in den Zimmern und vogelfreundlich gestaltete Fenster machen Nachhaltigkeit auch im laufenden Betrieb sichtbar.
Mandai Rainforest Resort überzeugt nicht durch ein einzelnes spektakuläres Element, sondern durch das Zusammenspiel von Landschaft, Gebäudestruktur, Innenraum und Fassade.
Das Projekt entwickelt seine Haltung aus einem sensiblen landschaftlichen Kontext.
Wege, Treehouses, Innenräume und Resortgebäude schaffen ein zusammenhängendes Erlebnis.
Die RECKLI-Fassade übersetzt reale Materialspuren des Ortes in eine dauerhafte Betonoberfläche.
Mandai zeigt, wie Architektur, Landschaft und Material zu einer gemeinsamen Haltung werden können. Die Fassade ist dabei nicht nachträgliche Gestaltung, sondern Teil der architektonischen Vermittlung zwischen gebautem Raum und Regenwald.